Gewaltprävention in Schule funktioniert selten nachhaltig über reine Regeln, Strafen oder kurzfristige Projekttage. Jugendliche orientieren sich vor allem an Menschen, die in ihrer Lebenswelt eine Rolle spielen – an Gleichaltrigen, an Gruppendynamiken, an Zugehörigkeit und Anerkennung. Genau hier setzt das Cooligans®-Programm an.
Cooligans® ist ein praxisnahes Peer-Group-Education-Konzept, das Jugendliche mit Ausstrahlung, Mut und Durchsetzungsfähigkeit darin stärkt, Verantwortung für das soziale Klima an ihrer Schule zu übernehmen. Dabei geht es nicht darum, „Hilfssheriffs“ auszubilden oder Jugendliche gegeneinander einzusetzen. Vielmehr entsteht ein geschützter Rahmen, in dem junge Menschen lernen, Einfluss positiv zu nutzen, Konflikte frühzeitig wahrzunehmen und Mitschüler*innen zu unterstützen.
Besonders interessant ist dabei der Perspektivwechsel: Im Cooligans®-Programm werden nicht nur die „klassisch angepassten“ Schüler*innen angesprochen. Häufig sind es gerade Jugendliche mit starker Präsenz, mit Ecken und Kanten, mit Einfluss innerhalb ihrer Peergroup, die ein enormes Potenzial für Veränderung mitbringen. Statt ausschließlich auf Schwierigkeiten zu schauen, richtet das Konzept den Blick bewusst auf Möglichkeiten, Ressourcen und Entwicklungschancen.
Die Ausbildung zum Cooligans®-Ausbilder/in
Die Ausbildung zum/r Cooligans®-Ausbilder/in richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Trainerinnen, Schulsozialarbeiterinnen und Menschen aus der Gewaltprävention, die das Cooligans®-Konzept professionell an Schulen oder in Einrichtungen umsetzen möchten.
Die Ausbildung verbindet moderne Gewaltprävention mit systemischer Haltung, gruppendynamischem Arbeiten und praxisnahen Methoden aus der Peer-Education. Die Teilnehmer*innen lernen, wie Jugendliche für Verantwortung gewonnen, begleitet und gestärkt werden können – insbesondere solche, die in klassischen Präventionsangeboten oft nicht erreicht werden.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie:
- Wie erkenne ich Jugendliche mit positiver Führungsenergie?
- Wie gelingt Ansprache ohne Stigmatisierung?
- Wie können Schüler*innen Verantwortung übernehmen, ohne überfordert zu werden?
- Wie entsteht eine tragfähige Kultur von Zivilcourage und gegenseitigem Respekt?
- Wie kann Schule Konflikte frühzeitiger wahrnehmen und deeskalierend begleiten?
Die Ausbildung ist bewusst praxisnah aufgebaut. Rollensimulationen, Fallbesprechungen, Gruppeninteraktionen und konkrete Interventionsideen gehören ebenso dazu wie die Entwicklung eigener Umsetzungskonzepte für Schulen und Einrichtungen. Gleichzeitig werden Themen wie Mobbing, Ausgrenzung, Jugendkultur, digitale Konflikte, Gruppendruck, Gewaltmechanismen und soziale Dynamiken intensiv bearbeitet.
Die Teilnehmer*innen erhalten umfangreiche Arbeitsmaterialien, Konzeptbausteine und methodische Vorlagen, um das Projekt nachhaltig in ihrer Einrichtung zu verankern. Hierzu gehört auch der Cooligans® Ehrenkodex. Cooligans® ist übrigens ein Programm für und mit verhaltensoffensive Mädchen und Jungen von der Grundschule bis in Klasse 13.
Cooligan Supporter® – Verlässliche Begleitung im Schulalltag
Ein zentraler Bestandteil des Programms sind die sogenannten Cooligan Supporter®. Dabei handelt es sich um Lehrerinnen, Schulsozialarbeiterinnen oder andere pädagogische Fachkräfte der Schule, die das Projekt kontinuierlich begleiten.
Mindestens vier Supporterinnen pro Schule bilden dabei ein stabiles Unterstützungsnetzwerk für die Jugendlichen. Sie sind regelmäßige Ansprechpartnerinnen, Reflexionspartnerinnen und Begleiterinnen im Alltag. Die Supporter® sorgen dafür, dass die Cooligans® nicht alleine gelassen werden, sondern Rückhalt, Orientierung und Unterstützung erhalten.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um Kontrolle oder Hierarchien. Vielmehr schaffen die Supporter® sichere Räume für Austausch, Entwicklung und Reflexion. Sie helfen bei Konflikten, begleiten schwierige Situationen und unterstützen die Jugendlichen darin, Verantwortung gesund und realistisch zu tragen.
Die Supporter® werden ebenfalls geschult und lernen:
- wie Peer-Prozesse funktionieren,
- wie Jugendliche motiviert und stabilisiert werden können,
- wie Gruppendynamiken erkannt werden,
- wie Konflikte deeskalierend begleitet werden,
- und wie Cooligans® sinnvoll in den Schulalltag integriert werden können.
Schule als aktiver Teil des Konzeptes
Cooligans® ist kein externes Projekt, das „über die Schule gestülpt“ wird. Damit das Konzept nachhaltig wirken kann, braucht es Schulen, die bereit sind, Entwicklung aktiv mitzugestalten.
Das Programm lebt von Offenheit, Flexibilität und dem Mut, Jugendliche nicht ausschließlich über Defizite zu betrachten. Schulen, die mit Cooligans® arbeiten möchten, brauchen die Bereitschaft, auch unbequemen oder auffälligen Schüler*innen Entwicklungschancen zuzutrauen.
Gleichzeitig braucht es:
- feste Ansprechpartner*innen,
- Zeit und Raum für Peer-Arbeit,
- Unterstützung durch Schulleitung und Kollegium,
- sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit externen Fachkräften.
Besonders wirkungsvoll wird das Programm dort, wo Schule beginnt, Beziehung stärker mitzudenken als reine Disziplinierung. Cooligans® schafft dabei keine „perfekten Schüler*innen“, sondern stärkt soziale Verantwortung, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit.
Warum Cooligans® in der heutigen Zeit so wichtig sind
Viele Schulen erleben zunehmend Spannungen durch Mobbing, digitale Konflikte, Ausgrenzung, aggressive Kommunikation oder soziale Unsicherheit. Gleichzeitig wächst bei vielen Jugendlichen das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Einfluss und echter Beteiligung.
Cooligans® setzt genau hier an. Das Programm nutzt die Kraft von Peer-Gruppen nicht destruktiv, sondern konstruktiv. Jugendliche lernen, Einfluss positiv einzusetzen, Grenzen wahrzunehmen und Verantwortung für andere zu übernehmen.
Dadurch entsteht nicht nur Gewaltprävention – sondern häufig auch:
- mehr soziale Sicherheit,
- bessere Konfliktkultur,
- stärkere Bindung an Schule,
- höhere Selbstwirksamkeit,
- und ein spürbar respektvolleres Miteinander.
Cooligans® versteht Gewaltprävention nicht als Abschreckung, sondern als Beziehungsarbeit. Nicht Kontrolle steht im Mittelpunkt – sondern Beteiligung, Haltung und Entwicklung.